SMC-B, HBA, KIM, ePA: Die TI-Begriffe in verständlichem Deutsch
Konnektor, Institutionskarte, Heilberufsausweis, KIM, ePA, eAU — was die Abkürzungen der Telematikinfrastruktur bedeuten und wofür Sie das jeweilige Teil tatsächlich brauchen.
Die Telematikinfrastruktur hat ein Sprachproblem. Fast jedes Bauteil hat eine Abkürzung, und in Angeboten stehen sie ohne Erklärung nebeneinander. Hier sind sie, sortiert nach dem, wofür man sie braucht.
Das Netz selbst
Telematikinfrastruktur (TI) — das geschlossene Netz des deutschen Gesundheitswesens. Nicht das offene Internet: Wer daran teilnimmt, ist geprüft, und die Übertragung ist verschlüsselt. Man kann sich das als eigenes Straßennetz mit Schranken vorstellen, zu dem nur zugelassene Fahrzeuge Zugang haben.
Konnektor — das Gerät, das Ihre Einrichtung mit diesem Netz verbindet. Technisch ein spezialisierter Router, der die Verbindung aufbaut, verschlüsselt und Ihr internes Netz von der TI trennt. Steht meist im Serverraum oder Technikschrank.
gematik — die Gesellschaft, die die TI im Auftrag des Gesetzgebers betreibt und die Vorgaben macht, welche Geräte zugelassen sind. Wenn ein Anbieter von „zugelassenen Komponenten” spricht, meint er: von der gematik zugelassen.
Die Karten
SMC-B (Institutionskarte) — der Ausweis Ihrer Einrichtung. Sie identifiziert das Haus als Ganzes gegenüber der TI und steckt dauerhaft im Kartenterminal. Ohne SMC-B gibt es keine Anbindung. Sie muss beantragt werden, und der Antrag braucht Nachweise über die Einrichtung.
HBA (Heilberufsausweis) — der Ausweis einer Person. Er gehört einer Pflegefachkraft oder einer Ärztin persönlich und wird gebraucht, wo eine qualifizierte elektronische Signatur nötig ist. Anders als die SMC-B wird er an eine natürliche Person ausgegeben, mit entsprechender Identitätsprüfung.
eGK (elektronische Gesundheitskarte) — die Karte, die Ihre Patienten oder Bewohner mitbringen. Sie kennen sie als Versichertenkarte.
eHealth-Kartenterminal — das Lesegerät, in dem diese Karten stecken. In Praxen steht meist eines am Empfang und eines im Sprechzimmer, in Pflegeeinrichtungen je nach Ablauf.
Die Anwendungen — hier entsteht der Nutzen
Die bisherigen Punkte sind Infrastruktur. Sie sparen noch keine Arbeit. Das tun erst die Anwendungen, die darauf laufen.
KIM (Kommunikation im Medizinwesen) — verschlüsselte E-Mail innerhalb der TI. Der praktische Ersatz für Fax und Briefpost: Arztbriefe, Befunde, Verordnungen und Abstimmungen gehen als Nachricht an eine KIM-Adresse. Für Pflegeeinrichtungen ist das meist die Anwendung mit dem größten unmittelbaren Effekt, weil sie die täglichen Telefonrunden mit Ärzten und Apotheken reduziert.
ePA (elektronische Patientenakte) — die Akte, in der medizinische Unterlagen einer Person zusammenlaufen: Befunde, Medikationsplan, Entlassbriefe. Der Vorteil liegt im vollständigen Bild statt in der Suche nach dem letzten Krankenhausbericht. Wer darauf zugreifen darf, ist geregelt und muss intern festgelegt werden.
eAU (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) — die Krankmeldung, die aus der Praxis direkt an die Krankenkasse übermittelt wird, statt auf Papier den Weg über den Patienten zu nehmen. Ein Thema für Praxen, nicht für Pflegeeinrichtungen.
eRezept — die Verordnung in elektronischer Form. Für Pflegeeinrichtungen vor allem in der Zusammenarbeit mit Ärzten und Apotheken relevant.
Was Sie sich davon merken sollten
Drei Dinge reichen für ein Gespräch mit einem Anbieter:
- Konnektor und Kartenterminals sind die Technik, SMC-B und HBA die Ausweise. Ohne Ausweise nützt die Technik nichts — und die Ausweise haben die längste Wartezeit.
- KIM, ePA, eAU und eRezept sind der eigentliche Grund für den Aufwand. Eine Anbindung, bei der davon nichts eingerichtet ist, ist halb fertig.
- Die Frage „Ist die TI angebunden?” ist zu ungenau. Die richtige Frage ist: Kommt die TI in unserer Software an, und weiß unser Personal, wie es sie benutzt?
Wenn Ihnen ein Begriff in einem Angebot unklar ist, fragen Sie nach. Wer Ihnen die TI verkauft, sollte sie auch erklären können — wir jedenfalls gerne.